06.10.2026 | Ben Kaden

OA-Takeaways: Die Handlungsfelder des CoARA Action Plan der Universität Potsdam

Bereits im Juni veröffentlichte die Universität Potsdam ihren am 20. Mai 2026 verabschiedeten CoARA Action Plan auf Zenodo. Da CoARA und die Fragen einer Neuorganisation der Forschungsbewertung im Kontext offener Wissenschaft auch wichtige Themen für uns als Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg sind, wollen wir dieses Dokument an dieser Stelle noch einmal herausheben. Denn als erste brandenburgische Hochschule legt die Universität damit einen strukturierten Maßnahmenkatalog zur Reform der Forschungsbewertung vor. Dieser umfasst sechs Handlungsfelder:

  • Forschungsbewertungsleitlinien für die verschiedenen Forschungsbereiche erarbeiten („Draft research assessment guidelines for the diverse research areas“)
    Der Punkt bezieht sich auf die Entwicklung einer detaillierten Handlungslinie auf Grundlage von Ergebnissen aus Arbeitsgruppen und unter Berücksichtigung der spezifischen Forschungsprofile der Universität Potsdam.

  • Leitlinien für Bewerbungsunterlagen und -verfahren entwickeln („Develop guidelines for application materials and procedures“)
    Hier soll anhand von klaren Verfahren sichergestellt werden, dass Bewerbungen nicht primär auf quantitativen Metriken beruhen, sondern disziplinspezifische Traditionen, Methoden und Prioritäten fair abbilden. Dies soll zugleich keine neuen engen Standards setzen.

  • Nachvollziehbare und kohärente Bewertungsleitlinien etablieren („Establish comprehensible and coherent evaluation guidelines“)
    Es sollen disziplinär passende Leitlinien für die Bewertung von Forschungsleistungen und Dissertationen entwickelt werden, mit denen sich Transparenz, Fairness und Effizienz der Bewertungsverfahren erhöhen lassen.

  • Open-Science-Praktiken anerkennen und wertschätzen („Recognize and value Open Science practices“)
    Transparenz, Reproduzierbarkeit, Zugänglichkeit und Kollaboration in der Forschung sollen auf bestehende Open-Science-Richtlinien der Universität aufbauend gefördert werden.

  • Zentrale Tenure-Track-Kriterien auf Fairness und Chancengleichheit überprüfen („Reevaluate central tenure track criteria for fairness and equal opportunities“)
    Tenure-Track-Leitlinien sollen daraufhin überprüft und aktualisiert werden, dass sie vielfältige Forschungsoutputs, interdisziplinäre Arbeit und gesellschaftliche Wirkung angemessen abbilden und die Transparenz für alle Beteiligten erhöhen.

  • Exzellenz in der Betreuung anerkennen und hervorheben („Acknowledge and highlight excellence in supervision“)
    Es sollen Mechanismen entwickelt werden, mit denen eine herausragende Betreuung sichtbar gemacht und solche Aktivitäten als wertvoller Bestandteil der akademischen Leistungsbeurteilung verankert werden. 

Die Veröffentlichung ist aus mehreren Gründen auch übergreifend für die Open-Access-Transformation im Land Brandenburg relevant: Die Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg (VuK) engagiert sich seit 2026 als assoziiertes Mitglied im deutschen CoARA-National Chapter und sieht die Reform der Forschungsbewertung als Schlüsselvoraussetzung für eine erfolgreiche Open-Access- und Open-Science-Strategie. Der Potsdamer Action Plan kann nun als Bezugspunkt für andere brandenburgische Hochschulen dienen, die ebenfalls CoARA-Handlungspläne entwickeln. Die ausdrückliche Betonung von Open-Science-Aktivitäten als Bewertungskategorie stärkt potenziell bestehende Maßnahmen im Bereich Open Science und Open Access und kann zusätzlich auf Forschende motivierend wirken, einerseits selbst aktiver im Bereich Open Science zu werden und andererseits bereits erfolgende Aktivitäten stärker sichtbar zu machen.

Offen lässt der Plan freilich die Details: Welche Aspekte von Open Science werden nach welchen Kriterien wie gewichtet? Zudem ergibt sich wie bei allen Transformationsprozessen für die Forschenden die Herausforderungen eines Zusatzaufwandes, Open-Science-Kompatibilität abzusichern. Drittens wirken gerade auch hier disziplinäre Unterschiede weiter. Die Diskussion, inwieweit sich beispielsweise Forschende der Geistes- und Kulturwissenschaften von bestehenden Open-Science-Praxen oder bereits von der Benennung abgeholt fühlen, oder ob sie möglicherweise stärker unter einem Dachbegriff „Open Research“ zu verorten wären, ist nicht abgeschlossen. Ähnliches gilt für fachspezifische Rahmenbedingungen und fachkulturelle Konventionen. Der Handlungsplan der Universität Potsdam betont die Anforderung, einer fairen Berücksichtigung der Heterogenität wissenschaftlicher Forschungsformen. Für die Gestaltung von Infrastrukturen, Unterstützungsdiensten und auch Bewertungsverfahren für offene Wissenschaft ist dies – idealerweise kooperativ mit den Fachkulturen – mit zu berücksichtigen. 

Der vorgelegte Action Plan ist also seiner Natur nach eine Rahmenorientierung und tatsächlich ein erster Meilenstein. Die Perspektive, die er eröffnet, weist jedoch in einer breite und vielgestaltige Differenzierungsarbeit. 

Quelle: University of Potsdam. (2026). University of Potsdam CoARA Action Plan. Zenodo. https://doi.org/10.5281/zenodo.17521980