13.07.2026 | Ben Kaden

OA-Takeaways: Workshop Open Access in und für Museen

Bericht zum Workshop „Open Access und Museen“ am 29.06.2026 an der Europa‑Universität Viadrina in Frankfurt (Oder)

Die Entwicklungen um Open Access veränderten die wissenschaftliche Publikationslandschaft in den vergangenen Jahrzehnten nachweislich massiv. Zugleich vollzieht sich insbesondere unter den Anforderungen von Open Science und Open Research auch eine Öffnung über Domänen und ihre Grenzen hinweg in Bereiche jenseits der Forschungsinstitutionen bzw. Hochschulen. 

Ausgelöst von dieser Beobachtung und wiederholten Anfragen aus dem Kulturbereich stellt sich für uns als Vernetzungs- und Kompetenzstelle Open Access Brandenburg die Frage, ob das Publikationsaufkommen aus den Brandenburgischen Museen in Kooperation mit Hochschulen des Landes stärker und systematischer als bisher mit Open-Access-Strukturen und -Praxen zusammengeführt werden könnte. 

Zur Vertiefung dieser Frage gab es am 29.06.2026 einen Workshop in Frankfurt an der Oder, wo sich mit der Universitätsbibliothek der Europa-Universität Viadrina, der Stiftung Kleist-Museum sowie der Karl Dedecius Stiftung drei dafür sehr aufgeschlossene Institutionen buchstäblich fußläufig zueinander befinden. Gemeinsam diskutieren wir also, ob und wie sich das Open-Access-Paradigma auf Museen übertragen lässt? 

Die vorläufige Antwort ist deutlich: Die Übertragung ist weder trivial noch linear, denn Museen operieren unter anderen institutionellen, rechtlichen und ökonomischen Bedingungen und benötigen daher eigene Strategien, Workflows und Unterstützungsstrukturen.

1. Open Culture ist nicht einfach Open Access im Museumskontext

Während Open Access in der Wissenschaft auf klaren Publikationslogiken, etablierten Lizenzmodellen und relativ stabilen Rechteketten beruht, präsentiert sich die Situation in Museen deutlich heterogener und komplexer. Museen arbeiten mit diversen Materialien und Sammlungen, spezifischen Vermittlungszielen und Reputationslogiken, hochkomplexen Rechtekonstellationen und dabei in der Regel sehr visuell. Sie sind daher in der Publikationsperspektive sehr von Bildrechten und entsprechenden Klärungs- und Lizenzierungsauflagen abhängig. 

Der Workshop unterstrich, dass Open Culture ein eigenständiger Handlungsraum ist, der nicht durch einfache Übertragung wissenschaftlicher Open-Access‑Modelle erschlossen werden kann. 

Open Access in und für Museen, so ein erstes Takeaway, ist eine eigenständige Form des Open Access. 

Ein Bereich, in dem es dennoch Schnittpunkte und Synergien geben könnte, betrifft Metadaten, Datenstandards und -workflows, technische Schnittstellen und Repositorien. 

2. Rechteklärung als systemisches Kernproblem

Die technischen Aspekte wurden im Workshop jedoch weitgehend ausgeklammert, da es zunächst um die Frage gehen sollte, welche Möglichkeiten und Hürden generell identifiziert werden können. So führte die Diskussion erwartbar schnell zum zentralen Thema der Abklärung einer für eine Open-Access-Publikation notwendigen Nutzungs- und Verwertungsrechte, insbesondere bei Lichtbildern und Bildwerken. 

Dabei gilt: „Die Nutzung ist entweder von vornherein sehr restriktiv geregelt oder eben gar nicht.“ Dahinter steht die Beobachtung, dass viele Rechtinhaber*innen bzw. Lizenzgeber*innen die Nutzung eng auf einen bestimmten, zum Beispiel, Ausstellungszusammenhang begrenzen. Oder dass gerade bei älteren Materialien keine Absprachen rekonstruierbar sind und eine eindeutige Rechteklärung unmöglich ist. 

In weiteren Fällen wäre theoretisch eine Lizenzierung der Werkabbildungen über VG Bild-Kunst denkbar und notwendig, was aber erhebliche und für keine Kultureinrichtung erbringbare Folgekosten nach sich zöge. 

Dies betrifft nahezu alle Materialtypen auch des Kleist-Museums:

  • Publikationen mit Abbildungen (z. B. Ausstellungskataloge, Frankfurter Buntbücher),
  • Ephemera wie Flyer und Poster,
  • Weitere Graue Literatur
  • Digitalisierte Objekte wie 3D‑Bühnenmodelle,
  • Historische Materialien mit unklaren oder nicht mehr klärbaren Rechteketten.

Das Takeaway ist an dieser Stelle, dass eine nachträgliche Open-Access-Publikation von Materialien mit zu lizenzierenden Bildinhalten unter den geltenden Rahmenbedingungen faktisch nicht möglich ist. 

Die Option, Kataloge ohne Bilder und dafür mit ausführlichen Bildbeschreibungen zu publizieren, wurde kurz diskutiert. Sie widerspricht jedoch einerseits oft der Logik eines Katalogs und ist andererseits mit einem hohen zusätzlichen Beschreibungsaufwand verbunden. 

3. Ressourcenknappheit und Priorisierung des Kerngeschäfts

Ein weiteres Nadelöhr bei Open Access in Museen ergibt sich auf der Ebene der Ressourcen für die Betreuung der Open-Access-Workflows. Die Open-Access-Bereitstellung von eigenen Publikationen gehört selten zum Kerngeschäft der Einrichtungen und besitzt daher keine besondere Priorität bei gleichzeitig nahezu durchweg begrenzten Ressourcen.

Viele Einrichtungen verfügen zudem bislang über keine Digitalstrategie, in der das Thema und sein Stellenwert zumindest benannt und eingeordnet werden. Von Seiten der Träger gehen ebenfalls kaum entsprechenden Impulse aus.

Da Museen per se auf die Öffentlichkeit bezogen arbeiten, wird der Handlungsdruck möglicherweise im Vergleich zur Wissenschaft als geringer angesehen. Im Mittelpunkt steht häufig die Präsentation der Bestände über Ausstellungen, teils auch mit ausstellungsbegleitenden Interaktionsmöglichkeiten für das Publikum, jedoch seltener eine ausdrückliche Nachnutzungsperspektive und ein dauerhafter, digitaler Zugang zum Bestand an sich. Insgesamt werden Open Access und Open Culture daher häufig als Zusatzaufgabe wahrgenommen, die weder unmittelbar zur institutionellen Performance beitragen noch ausreichend mit Ressourcen unterlegt sind.

Der Workshop zeigte:

  • Das Thema Open Access ist bisher nicht klar geregelt, besitzt aber generell einen eher nachgeordneten Stellenwert. 
  • Zeitliche und finanzielle Ressourcen für Open Access als „Nebenthema“ fehlen.
  • Digitalstrategien sind hilfreich, um Positionen zum Thema zu entwickeln.

Das Takeaway wäre an dieser Stelle: Open Culture bzw. Open Access sitzen als Thema in den Museen strukturell eher „zwischen den Stühlen“.

4. Ökonomische Logiken als Faktor

Im Unterschied zur Wissenschaft haben Museen, teils auch haushaltsrechtlich motiviert, eine unmittelbarere pekuniäre  Perspektive auf mögliche Nutzungen ihrer Inhalte. Selbst wenn das Argument, es würde niemand mehr ein Original sehen wollen, wenn eine freie Abbildung online verfügbar ist, weitgehend keinen Rückhalt mehr findet, bleiben neben angenommen ausbleibenden Eintrittsgeldern durchaus andere ökonomische Zwänge.

So sind die Publikationen aus den Häusern oft auch Teil der Einnahmestrategien. Die Museen können natürlich nicht von Katalogverkäufen leben. Unter Umständen finanzieren die Katalogverkäufe jedoch die Möglichkeit, den nächsten Katalog produzieren zu können. Der Goldene Weg des Open Access ist also von vornherein für diese Publikationsform eher keine Option. 

Für vergriffene Publikationen bleibt wiederum ein bereits benanntes Grundproblem: Die Herausforderung der retrospektiven Rechteklärung sowie die Finanzierung der Nutzungslizenzen für Bildwerke und Lichtbilder. 

Beides muss jedoch nicht unbedingt bedeuten, dass eine zukünftige Open-Access-Publikation von Katalogen ausgeschlossen ist. Möglichkeiten ergeben sich dann, wenn die Verträge mit den Autor*innen und Beitragenden entsprechend ausgestaltet werden. Allerdings lässt sich der Erfolg solcher Abstimmungen nicht garantieren und ein solches Engagement der Häuser für Open Access realistisch aktuell auch aus dem oben genannten Grund der Priorität nicht erwarten. 

Das Takeaway wäre folglich: Der Anspruch von Open Access kollidiert oft mit Rahmenbedingungen und Interessen in den Museen.

5. Realistische Pilotprojekte

Trotz der strukturellen Hürden wurden im Workshop Ansatzpunkte für Pilotprojekte für Kooperationen zwischen Museen und Hochschulen identifiziert. Sofern man die Perspektive und den Anspruch dahingehend anpasst, dass es zunächst um Testanwendungen geht, finden sich auch bei Museen durchaus Materialien, für die einerseits die Rechte unkritisch sind, weil es sich beispielsweise um Graue Literatur handelt oder solche, bei denen sämtliche Verwertungsrechte beim Museum liegen.

Ein anderer Fall betrifft Forschungspublikationen, die aus dem Kontext des Museums entstehen und in der Form wissenschaftlich oder wissenschaftsnah sind. Bei diesen zeigen sich aufgrund der institutionellen Konstellation eher infrastrukturelle als rechtliche Herausforderungen. So können aufgrund der fehlenden Affiliation an einer Hochschule bestimmte Services wie beispielsweise die Publikationsinfrastrukturen an diesen Einrichtungen oder der Brandenburger Publikationsfonds für Open-Access-Monografien nicht genutzt werden. Gleichzeitig ist der Wunsch, Open Access zu publizieren, durchaus vorhanden. Er wird bislang individuell, beispielsweise über eine Publikation auf der eigenen Homepage, gelöst.

Das Takeaway lautet entsprechend: Es gibt den Bedarf für Open-Access-Lösungen für Forschungspublikationen aus den Museen, der sich insbesondere bei Forschungspublikationen gut adressieren lässt.

6. Citizen Science als Erweiterungsperspektive

In Erweiterung dieser Wahrnehmung wurde die Idee diskutiert, beispielsweise das Repositorium der Europa-Universität auch für regionale Citizen‑Science‑Projekte zu öffnen und über eigene Collections oder ähnliche Lösungen für die Zugänglichkeit und Langzeitarchivierung unter anderem Publikationen der regionalen Heimatforschung einzubinden. Hier bleibt die Herausforderung im Bereich der Qualitätssicherung. Vermutlich müssten vor so einem Schritt anhand konkreter Anwendungsfälle Workflows und Kriterien für eine Absicherung der Qualität solcher Publikationen sowohl im Rahmen ihrer eigenen Wirkungslogik als auch hinsichtlich der Standards von Repositorien entwickelt werden.

Takeaway: Die Öffnung von Hochschulinfrastrukturen für Publikationen aus Bereichen der außerakademischen Forschung und insbesondere der Citizen Science ist aus Sicht der Openness und als Schnittstelle zwischen Wissenschaft, Forschung und Kultur sehr begrüßenswert. Sie erfordert aber zugleich die Entwicklung dafür adäquater Workflows und Qualitätsstandards. 

7. Sichtbarkeit als gemeinsamer Nenner

Trotz aller Unterschiede zwischen dem Publizieren in Museen und dem in der Wissenschaft gibt es einen starken verbindenden Faktor: Aufmerksamkeitsökonomie bzw. Sichtbarkeit. Museen profitieren ebenso wie wissenschaftliche Einrichtungen von digitaler Sichtbarkeit – allerdings mit einer anderen Ziel- und Wirkungslogik. Aufgrund ihrer breiteren Zielgruppenorientierung könnten, so eine Vermutung, durch die Nutzung von Open Access und Open Culture sogar noch stärker im Sinne eines Schaufenstereffekts profitieren. Dies wäre allerdings noch vertiefend zu beforschen. 

Takeaway: Eine Erwartung an Openness ist, dass sich die Aufmerksamkeit und Sichtbarkeit für die Einrichtungen erhöht. 

8. Es braucht Strategien, Kooperation und Maßnahmen

Zum Ende des Workshops zeigte sich nochmals deutlich, dass Einzellösungen für Museen nur bis zu einem bestimmten Punkt tragen und keine strukturell belastbare Basis für Open Access und Open Culture im Land Brandenburg darstellen. Sinnvoll wäre daher eine koordinierte Begleitung, die von Beratungsservices und Kooperationen bis zu einer Open-Culture-Strategie reichen könnte. In jedem Fall ist das Thema Open Access in Museen vor dem Hintergrund der oben genannten Aspekte (Rechte, Finanzierung, Priorisierung) ein kulturpolitisches Thema. Inwieweit sich dafür Synergien mit den Open-Access-Entwicklungen in den Hochschulen identifizieren lassen, bleibt offen. Eine erste Zusammenarbeit zwischen der Europa-Universität  Viadrina und der Stiftung Kleist-Museum soll diese Frage aber weiter vertiefen.

Andere offene Fragen müssten in einschlägigen Forschungsprojekten adressiert werden. Besonders der Bereich der Bildrechte und Lizenzierungsökonomie bedarf einer stärkeren Untersuchung. Aber auch neue Publikationsformate wie digitale 3-D-Objekte bilden ein Thema. Die Integration von Open Access und Open Research mit Partizipations- und Public-Engagement-Kontexten könnte zudem auch Impulse aus der Kulturarbeit in die Wissenschaft zurückspielen. Hierfür wären Austausch- und Begegnungsformate sinnvoll. 

Zumindest bei publikationsstärkeren und digital aktiven Museen empfiehlt sich auf jeden Fall die Entwicklung eine Digitalleitlinie oder -strategie, die idealerweise auch Aussagen zum Thema Open Culture und Open Access trifft.

Schließlich kann es aber auch bereits helfen, eine generelle Sensibilisierung sowie einen Kompetenztransfer in die Einrichtung selbst zu tragen. Begleitmaterialien wie Checklisten und Musterverträge, Kalkulationshilfen, Schulungen und Trainings wirken mindestens an zwei Stellen: Sie setzen das Thema auf die Agenda und sie ermöglichen den Stakeholdern und MItarbeitenden in den Häusern, selbst informierte Entscheidungen dahingehend zu treffen, an welchen Stellen für sie und ihre Institutionen welche Elemente von Open Access und Open Culture sinnvoll einsetzbar sind. 

Wenn Open Culture und Open Access in Museen als Entwicklungsziel umgesetzt werden sollen, braucht es eine strategische und mit Ressourcen unterlegte Begleitung, die den Wissens- und Kompetenzaufbau und -transfer durch Projekte, Schulungen, Beratung und Vernetzung systematisch unterstützt.