09.10.2026 | Ben Kaden

OA-News: Diamond (Open Access) Fractures als Forschungsthema

Es gibt ein relativ neu beschriebenes Phänomen im Open Access bzw. Diamond Open Access, über das unlängst Nature berichtete und auf das wir ebenfalls kurz hinweisen wollen. So berichten Lisa Matthias vom Institut für Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Humboldt-Universität zu Berlin und ihre Ko-Autoren Juan Pablo Alperin (Simon Fraser University, Vancouver) und Mikael Laakso (Tampere University, Tampere) über Fälle, in denen wissenschaftliche Zeitschriften von einem Diamond-Open-Access-Modell auf APC-basierte Gold-OA, Hybrid-OA oder Subskriptionsmodelle umstellten:

Lisa Matthias, Juan Pablo Alperin, Mikael Laakso: Diamond Fractures: Tracing Journal Transitions Away from Diamond Open Access. (30.06.2026) DOI: 10.48550/arXiv.2606.31302

Insgesamt konnten sie 440 Fälle für den Zeitraum von 2009 bis 2026 identifizieren, wobei der größte Anteil auf den Wechsel zu Gold Open Access mit Publikationsgebühren zu verzeichnen ist. Interessanterweise beschleunigte sich diese Entwicklung in den vergangenen Jahren. Ebenfalls interessant erscheint, dass dies nicht etwa mit Verlags- oder Betreiberwechseln („ownership“) zu erklären ist – die überwiegende Zahl der Titel, 389 von 440 – blieb beim Ursprungsbetreiber.

Bei einem Teil der Fälle lässt sich Diamond Open Access als Übergangs- und Etablierungsmaßnahme nach der Neugründung einer Zeitschrift verstehen:

„we see the pattern of publishers forgoing APC revenue as a promotional strategy, while a new journal builds indexing and reputation, then introduce them once the journal is established“.

Der größere Teil der Titel ändert sein Betriebsmodell allerdings erst später, was mit dieser Deutung adressiert wird:

„The temptation and relative ease of adopting APCs is particularly evident for these journals, given that such established journals would be strong candidates for collective funding models, such as Subscribe to Open.“

Besondere Relevanz erhält die Analyse deshalb, weil Diamond Open Access verstärkt, wie auch zuletzt auf den Open-Access-Tagen 2026, als ein mögliches Alternativmodell besonders zum gebührenfinanzierten Gold Open Access angesehen und diskutiert wird und man daher sehr viel über die Verschiebung von Gold zu Diamond spricht. Die entgegengesetzte Entwicklung wird dagegen bisher kaum thematisiert. Dank der vorgelegten Auswertung ist „Diamond Fractures“ im Diskurs und auch in Nature angekommen. Zudem unterstreicht der Befund zusätzlich den Bedarf an Diamond-OA-Modelle, die auf strategische Verstetigungen in nicht-kommerziell ausgerichteten Kontexten aufbauen.

Wer mehr über Diamond Fractures erfahren möchte, hat im November die Gelegenheit. Denn am 27.11.2026 ab 18 Uhr und virtuell wird Lisa Matthias ihre Forschungen zum Thema „Diamond Fractures“ im Berliner Bibliothekswissenschaftlichen Kolloquium an der Humboldt-Universität zu Berlin präsentieren: Hybrid und Diamond Open Access unter der Lupe – Open Access als Forschungsobjekt der Bibliotheks- und Informationswissenschaft.