25.02.2026 | Ben Kaden
Ein wichtiges Argument der Open-Access-Bewegung für Open Access liegt in der Annahme, dass der freie Zugang zu Forschungsergebnissen neben einem allgemeinen gesellschaftlichen Nutzen auch Innovationsprozesse durchaus mit wirtschaftlichen Potentialen fördert. Gerade an dieser Stelle werden wir regelmäßig auf mögliche Belege für diese These angesprochen. Eine in der Februarausgabe des Journal of the Association for Information Science and Technology (JASIST) erschienene Studie liefert nun einige Hinweise.
In einer Auswertung von Patentschriften zeigt sich für das Forschungsfeld der Agrarwissenschaften, dass Open-Access-Publikationen in diesen in einem signifikant höheren Maß als Closed-Access-Publikationen zitiert werden. Weitere Untersuchungen bestätigten die Wahrscheinlichkeit eine direkten Kausalität. Der Effekt zeigt sich besonders deutlich bei auf Open Access umgestellte Zeitschriftentitel („journal transitions“).
Ausgehend von der so genannten „Knowledge Spillover Theory“ weisen die Autor*innen auch Gründe für diesen Effekt nach. Offensichtlich ist, dass Open Access durch die Absenkung von Zugangsbarrieren einen breiteren Wirkungsrahmen für einen Wissenstransfer unterstützt, der auch Zielgruppen in entsprechenden Innovationsbereichen erreicht. Weiterhin gehen sie davon aus, dass Open-Access-Inhalte generell eine plattformübergreifende und frühzeitige Aufmerksamkeit erhalten, von den Zielgruppen also stärker und schneller wahrgenommen, besser gefunden und somit auch eher nachgenutzt werden. Die Autor*innen betonen ausdrücklich den Zusammenhang zwischen früher Auseinandersetzung („engagement“) mit den Inhalten und der potentiellen Nachnutzung in der Technologieentwicklung.
Aus den Erkenntnissen leiten die Autor*innen zwei Empfehlungen für die Politik ab. So betonen sie einerseits das Potential von Open Access als institutionelles Mittel, um den „social return on public investment“ in der Grundlagenforschung zu erhöhen.
Andererseits sehen sie anhand der Transfereffekte die Notwendigkeit, Open Access nicht allein als Transformation des wissenschaftlichen Publizierens zu verstehen und zu gestalten. Vielmehr empfiehlt sich die unmittelbare Einbindung in ein Innovationsökosystem („innovation ecosystem“), das auf interoperable und zugangsoptimierte Plattformen zum Austausch von Forschungsergebnissen setzt. In diese Plattformen sollten Werkzeuge zur Forschungsmessung bzw. Forschungsbewertung sowie zur digitalen Forschung integriert werden. Über solchen Strukturen, so die Annahme, lassen sich die systemischen Vorteile von Open Access deutlich erhöhen und die gesellschaftliche Domänen übergreifende Zirkulation von Wissen („knowledge circulation“) beschleunigen. Open Access braucht folglich auch einen, wenn man so will, nutzungsverstärkenden Kontext.
Auf die Frage, ob Open Access auch Innovation außerhalb der institutionalisierten Wissenschaft fördert, lässt sich auf jeden Fall mit Beleg antworten: Ja.
Denn:
„These findings suggest that OA reforms boost the visibility and usability of scientific outputs, establishing a structural pathway through which research reaches technological audiences.“
Quelle:
Pengfei Jia, Weixi Xie, Guangyao Zhang, Xianwen Wang: Open access and the flow of knowledge into technology: Evidence from journal transitions to full and immediate OA. In: JASIST, Volume77, Issue2 February 2026, S. 429-450. DOI: 10.1002/asi.70045